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Theater-Profis machen Kinder stark
„Mein Körper gehört mir“: Projekt geht weiter
AZ-Bericht von Jürgen Schroer (12.Januar 2008)
Die jetzigen Viertklässler der Von-Galen-Schule haben im letzten Jahr wichtige Dinge gelernt. Beispielsweise, dass ihr Körper ihr persönliches Eigentum ist. Dass sie Ja- und Nein-Gefühle haben und dies aussprechen dürfen. Dass bei sexueller Gewalt immer der Täter Schuld hat und nie das Kind, das missbraucht wird. All dies haben die damaligen Drittklässler in Rollenspielen der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück vor Augen geführt bekommen und verinnerlicht. „Die Resonanz war von allen Seiten sehr positiv“, sagt Schulleiter Hubert Abbenhaus. Er freut sich, dass das auf vier Jahre angelegte Theaterprojekt nun fortgesetzt wird. Der Einführungsabend für Eltern, Lehrer und alle Interessierten findet am Dienstag (15. 1.) im Theatersaal am Borkener Damm statt.
„Mein Körper gehört mir“ heißt das Programm, das dem sexuellen Missbrauch von Kindern vorbeugen will. Wie wichtig das ist, wissen Anja von dem Berge (Stadt Gescher) und Anke Heming (stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins der Von-Galen-Schule) und verweisen auf bittere Statistiken: Demnach wird jedes dritte Mädchen und jeder neunte Junge vor seinem 16. Lebensjahr Opfer sexueller Übergriffe. „Und die Gefahren werden nicht weniger“, ergänzt Abbenhaus mit Blick auf Internet und Handy. Auf der anderen Seite werde auch der Blick der Lehrer für dieses lange tabuisierte Problemfeld geschärft.
In interaktiven Szenencollagen zeigen die Theaterpädagogen den Schülern, was im Alltag passieren kann und wie man sich verhalten soll. Da ist der Sitznachbar im Bus, der das Mädchen ungefragt umarmt, der Onkel, der dem Jungen an den Po fasst oder der Fremde, der ein Kind in eine entlegene Ecke locken will. In diesen Situationen sollen die Kinder ihr „Nein-Gefühl“ artikulieren, sich gegen Übergriffe wehren und die Hilfe Dritter suchen. „Es geht darum, Kinder stark zu machen“, erläutert Abbenhaus. Das passe hervorragend in das Erziehungskonzept der Von-Galen-Schule, wo die Kinder vom ersten Schultag an die „Stopp-Regel“ lernen.
Am Dienstag stellt die Theaterwerkstatt ihr Programm den Eltern vor und spielt alle Szenen, die später auch die Kinder in drei Teilveranstaltungen zu sehen bekommen. Am 17., 24. und 28. Januar finden in der Aula der Von-Galen-Schule die Vorführungen für die vier dritten Klassen (insgesamt 111 Schüler) statt. Bewusst bleibt zeitlicher Abstand zwischen diesen Terminen, damit die Kinder das Gezeigte verarbeiten können.
Schon jetzt steht fest, dass auch die Drittklässler in den Jahren 2009 und 2010 das Programm „Mein Körper gehört mir“ zu sehen bekommen. „Wir haben uns auf vier Jahre festgelegt“, sagt Rektor Abbenhaus. Die Finanzierung sei über Schulfest-Erlöse, einen geringen Eigenbeitrag pro Kind und die Unterstützung des Schulfördervereins gesichert. Wünschenswert sei, so Anja von dem Berge, das Projekt an allen Grundschulen in Gescher zu etablieren. Das scheitere bislang an den Kosten – immerhin 238 Euro pro Klasse und Aufführung. Nur aus einem Topf gibt es finanzielle Unterstützung: Die Gleichstellungsbeauftragte Giselheid Lönker-Rduch trägt die Kosten für den Einführungsabend aus ihrem Budget, weil sie das Anliegen des Präventionsprogramms voll unterstützt.
▶„Mein Körper gehört mir“, interaktive Szenencollage in drei Teilen von Anna Pallas und Reinhard Gesse, Einführung hierzu für alle Interessierten am Dienstag (15.01.) um 20 Uhr, Theatersaal am Borkener Damm

Freuen sich mit den Drittklässlern der Von-Galen-Schule auf die Fortsetzung des Theaterprojektes: Schulleiter Hubert Abbenhaus, Anja von dem Berge (Stadt Gescher) und die stellvertretende Fördervereins-Vorsitzende, Anke Heming.

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